Autofreie Gebiete

Das Fahrrad gewinnt

Von Katharina Lehmann · 2020

Die autogerechte Stadt – das war gestern. Heute bemühen sich immer mehr große und kleine Städte, die Flut an Pkw zurückzudrängen und den Platz anderweitig zu vergeben. Der Öffentliche Personennahverkehr und Sharing-Angebote sollen ausgebaut werden. Klarer Gewinner ist aber das Fahrrad.

Eine Radfahrampel zeigt grünes Licht.
Grünes Licht für Fahrradfahrer. Foto: iStock / Michele Ursi

Seit Ende August ist die Berliner Friedrichstraße autofrei. Zumindest der Abschnitt zwischen Französischer Straße und Leipziger Straße ist bis Ende Januar 2021 für Kraftfahrzeuge tabu. Als Flaniermeile stehen Besuchern nun Bäume, Sitzgelegenheiten und Freiluftgastronomie zur Verfügung; in der Mitte der Straße gibt es einen breiten Radweg. Mit dem Modellprojekt wollen der Bezirk Mitte und der rot-rot-grüne Senat testen, wie der öffentlichen Raum neu aufgeteilt werden und der Aufenthalt in der Innenstadt an Qualität gewinnen kann.

Klar ist: Mit der Ausbreitung des eigenen Pkw stoßen immer mehr Städte rund um den Globus an ihre Grenzen. Verstopfte Straßen, zugeparkte Kreuzungen und schlechte Luft sind nur einige der Folgen, die immer mehr Stadtbewohner als Belastung ihrer Lebensqualität erfahren. Stadtplaner rund um den Globus versuchen nun, den öffentlichen Raum neu zu ordnen. Stand bislang das Auto – also Straßen, Parkplätze, grüne Welle – im Zentrum der Planungen, rückt jetzt der Mensch wieder mehr in den Mittelpunkt.

Weitere autofreie Gebiete in Planung

So soll denn auch die Berliner Friedrichstraße nicht die einzige autofreie Zone der Hauptstadt bleiben: „In der City West vom Adenauerplatz bis zum Wittenbergplatz wollen ja die Händler die Tauentzienstraße und den Kurfürstendamm vollkommen umgestalten. Das ist in Arbeit“, sagt Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) gegenüber dem rbb. Und auch Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg (ebenfalls Grüne) plant, einige Straßen, darunter die Bergmannstraße, für den Pkw zu sperren, zu begrünen und mit einem Wasserlauf zu versehen: „Für diejenigen, die zu Fuß gehen oder Rad fahren, wird der Bewegungsraum erweitert. Für diejenigen, die Auto fahren, wird es in der Tat eine Einschränkung sein“, sagte Herrmann im Interview mit der Berliner Zeitung. „Wir wollen, dass der motorisierte Individualverkehr in der Innenstadt so stark wie möglich reduziert wird.“ Feuerwehr, Notarztwagen und Polizei sollen für Notfälle den breiten Radweg nutzen können. 

Auch andere Städte planen, so sie es denn noch nicht getan haben, autofreie Zonen einzurichten. So wird der Hamburger Jungfernstieg ab Oktober für den Autoverkehr weitestgehend gesperrt. In Bremen soll gar das gesamte Zentrum bis 2030 zur pkw-freien Flaniermeile umgebaut werden. Auch in München war die Skepsis zunächst groß, als die Sendlinger Straße für ein Probejahr zur Fußgängerzone umfunktioniert wurde. Nach der Testphase wollte dann allerdings die große Mehrheit der Betroffenen die neue Fußgängerzone erhalten. Sie blieb. Und auch andere europäische Metropolen, allen voran Paris, Oslo, Madrid, Gent und Amsterdam räumen Fußgängern und Radfahrern Vorfahrt ein. 

Mobilität digital vernetzt

Doch mit dem Fahrrad allein kommen auch Großstädter nicht immer ans Ziel. Fahrten bei Regen, Sturm und Schnee, aber auch der Besuch im Möbelhaus samt Abtransport der neuen Einrichtungsgegenstände lassen sich mit dem Drahtesel nicht so einfach bewältigen. Aus diesem Grund setzen immer mehr Stadt- und Verkehrsplaner auch auf eine vernetzte und transportmittelübergreifende Mobilität. So sollen sich private Fahrräder künftig in Fahrradparkhäusern oder Parkboxen an zentralen S- und U-Bahnhöfen sicher abstellen lassen. Weiter geht es dann mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die letzten Meter der Strecke werden dann wiederum mit Sharing-Rädern oder Rollern zurückgelegt. Für den Großeinkauf stehen Carsharing-Wagen zur Verfügung. 

Apps, die all diese Verkehrsmittel miteinander verknüpfen und über die sich immer die günstige und schnellste Verbindung suchen, buchen und auch gleich bezahlen lässt, heben die Mobilität im urbanen Raum in die digitale Sphäre. Die Verkehrsverbünde verschiedener deutscher Städte haben diese sogenannten Mobility-as-a-service-Angebote bereits seit einigen Monaten im Programm – ein Rundum-Sorglos-Paket der Mobilität, das in der gesamten Bundesrepublik gilt, fehlt allerdings bisher.

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