Mobilität der Zukunft

Mobilität wie aus dem Sci-Fi-Roman

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2018

Lernende Autos, die genau wissen, was ihre Passagiere wünschen, flüsterleiser Verkehr und fliegende Taxis – die Verkehrswelt von morgen erinnert an die Ideen großer Visionäre. Zum Einsatz kommen viele der neuen Technologien bereits in den kommenden Jahren. Und das müssen sie auch, wollen wir den Umstieg auf eine emissionsfreie Mobilität schaffen.

Straßenkreuzung mit verschiedenen Verkehrsmitteln
Mobilität der Zukunft

Wo sich heute meterbreite Asphaltbahnen durch die Städte schlängeln, oft verstopft, verschmutzt und laut, werden baumbewachsene Fahrradwege den Radlern eine freie und schattige Fahrt garantieren. Hoch oben sausen elektrisch betriebene, autonome, emissionsfreie und leise Flugtaxis durch die Straßenschluchten. Haben sie ihre Passagiere am Ziel abgesetzt, sammeln sie andere ein oder ziehen sich unauffällig in eines der Parkhäuser am Stadtrand zurück. Dort verbinden sie sich mit der IT-In­frastruktur des Gebäudes und versorgen sich mit sauberem Strom aus erneuerbaren Quellen. Sharing ist der Standard, ebenso wie der Elektroantrieb. Darüber hinaus gilt: Hauptsache leise und sauber. 

Klingt nach Science Fiction? Das ist es sicherlich auch – noch. An der Realisierung wird aber längst gearbeitet. Gleich zwei deutsche Start-ups basteln derzeit an fliegenden Taxidrohnen: Volocopter und Lilium. In Letzterem arbeiten mehr als 100 Mitarbeiter an einem fünfsitzigen On-Demand-Luft­taxi – sogar Testflüge wurden schon absolviert. Bis wir wirklich mit der Drohne durch die Stadt sausen, wird es wohl noch etwas dauern. 

Ambitionierte Ziele bis 2050

Zuerst gilt es, die Probleme der Mobilität von heute – verstopfte Straßen, verschmutze Luft, teurer Treibstoff, zugeparkte Freiflächen – in den Griff zu bekommen. Denn bis 2050, so das Ziel der Klimakonferenz in Paris, sollen sämtliche Emissionen um 95 Prozent reduziert werden. In der Landwirtschaft zum Beispiel sind aber viele Emissionen gar nicht vermeidbar. Aus diesem Grund sind andere Sektoren – Stromerzeugung, Gebäudewirtschaft und eben der Verkehrssektor – in besonderem Maße gefordert. So sollen in den kommenden 30 Jahren rund 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen, der Gebäudebestand nahezu komplett energieeffizient und klimaneutral saniert werden – und der Verkehr komplett emissionsfrei sein. 

Besonders wichtig: Die Sektoren dürfen nicht einzeln betrachtet werden. Vielmehr gilt es, die verschiedenen Bereiche gemeinsam zu analysieren und so Effekte auszumachen, die sich beim Umbau der Energielandschaft gegenseitig befruchten. Beispiel Vehicle-to-Grid: Die in den Elektro-Autos verbauten Akkus lassen sich nicht nur als Tank denken, sondern auch als Stromspeicher für die Zeit, in der Sonne und Wind mal keine Energie spenden. Intelligent verknüpft kann die Solaranlage auf dem Dach überschüssigen Strom in der Autobatterie parken. Abends betreibt die Batterie dann Licht und Laptop. 

Autos werden schlauer

Damit das funktioniert, muss sich das E-Auto konsequent mit dem Stromnetz verbinden. Möglich wird das durch das autonome Fahrzeug, das bereits in der kommenden Dekade über Deutschlands Straßen rollen soll. Hat es seinen Passagier vor dem Bürogebäude abgesetzt, macht es sich eigenständig auf den Weg zum Solarstromstecker. Immer mehr Unternehmen analysieren Konzepte, die ihre Fuhrparks stärker auf den Sharing-Gedanken ausrichten und die Anschaffung von neuen Elektrofahrzeugen einschließen. Werden die dann künftig auch noch autonom, pendeln sie selbstständig zwischen den einzelnen Firmensitzen oder holen Mitarbeiter daheim für die Fahrt zur Arbeit ab.

Den besten Weg kennt dabei das Auto selbst – es hat ihn, und viele alternative Routen, während der zahlreichen Fahrten gelernt. Alle deutschen Autobauer arbeiten gemeinsam in IT-Schmieden an intelligenten, lernenden Fahrzeugen. Diese werden dabei nicht nur während der Fahrt von A nach B clever. Die digitalen Assistenten erahnen auch die Bedürfnisse des Nutzers. So stellen sie die Klimaanlage beim Einsteigen exakt auf die präferierte Temperatur, das Radio wählt den Lieblingssong und ein Signal erinnert an die vergessene Aktentasche. Das Navi registriert die Sperrung auf dem Fahrweg, sucht eigenständig eine Umleitung und verschiebt den ersten Termin um ein paar Minuten.

Biofuels, Sonnenstrom und Wasserstoff

Und der Kraftstoff des smarten Autos von morgen? Der könnte den Idealvorstellungen zufolge aus sauberem Sonnen- und Windstrom kommen oder über die Elektrolyse aus Wasserstoff. Benziner und Diesel könnten bald Relikte einer fernen Vergangenheit sein. So fordert das Umweltbundesamt das Aus für alle fossilen Kraftstoffe. Pkw, Lastwagen, Züge und andere Verkehrsmittel sollen alle mit Elektromotoren unterwegs sein; Flugzeuge und Schiffe, bei denen das nicht möglich ist, müssten mit Kraftstoff betrieben werden, der aus Ökostrom hergestellt wird, heißt es in einer Studie des Umweltbundesamtes. Bis es allerdings so weit ist und auch der letzte Verbrenner ausgemustert wurde, können synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, eine Möglichkeit sein, herkömmliche Fahrzeuge ökologischer zu betreiben. Mit dem grünen Strom wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Der Wasserstoff reagiert unter hohen Temperaturen und Druck mit Kohlendioxid – es entsteht ein ökologischer Erdölersatz, der zu sauberem Sprit veredelt wird. 

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