Klimafreundlich reisen

Alternativen zum Flieger

Von Kira Taszman · 2020

Das Flugzeug ist zum allgegenwärtigen Verkehrsmittel geworden. Auch kurze Strecken legen immer mehr Menschen in der Luft statt auf Straße oder Schiene zurück. Doch gerade diese Kurzstreckenflüge geraten zusehends in Kritik – zu groß ist die Umweltbelastung.

Dienstreisende steht mit ihrem Laptop am Bahnhof.
Die Dienstreise mit der Bahn als gute Alternative zum Auto. Foto: iStock / twinsterphoto

Für 20 Euro von Berlin nach Mallorca, nach Paris oder nach Köln – Fliegen ist in den vergangenen Jahren unschlagbar günstig geworden. Mit dem Aufkommen der Billigairlines in den 1990er Jahren wurde das Reisen in Europa auch für Touristen mit schmalem Budget realisierbar. Die Ziele sind auch deutlich schneller erreicht als mit dem Zug, Familienauto oder Reisebus.

Doch dann kam 2017 der schwedische Begriff „flygskam“ auf – die sogenannte Flugscham. Noch bevor Greta Thunberg für den Klimawandel streikte, wurde vielen Menschen bewusst, wie umweltschädlich Fliegen ist: durch Fluglärm, die Flächenversiegelung an Flughäfen und vor allem durch die Schadstoffemissionen, die beim Verbrennen von Kerosin entstehen. Deren Auswirkungen in der Luft sind etwa dreimal größer als am Boden und steigern so den Treibhauseffekt. Der Gesamtanteil des Flugverkehrs an der globalen Erwärmung beträgt heute etwa fünf Prozent.

Klimafreundlich reisen: Verbot von Inlandsflügen?

Klar, manche Strecken können nur mit dem Flugzeug überwunden werden. Amerika oder Australien lassen sich eben nicht mit dem Zug erreichen. Und per Schiff wäre die Reisedauer exorbitant. In der Kritik stehen aber vor allem die Kurzstreckenflüge – laut Fluggastrechtverordnung der EU sind das Entfernungen von maximal 1.500 Kilometern. Solche Strecken ließen sich auch mit anderen, umweltschonenderen Verkehrsmitteln zurücklegen, so die Kritik. Schon fordern Politiker wie der holländische Sozialdemokrat Frans Timmermans ein Verbot von Kurzstreckenflügen. Auch die französische Regierung will kurze Inlandsflüge untersagen und setzt auf die gut ausgebauten Schnellzugverbindungen des TGV: So dauert die 750 Kilometer lange Fahrt von Paris nach Marseille mittlerweile nur drei Stunden 15. Gerade die Bahn gilt als klimafreundliches Verkehrsmittel – die Umweltbilanz ist eindeutig: Bei einer ICE-Fahrt von Berlin nach Köln fallen pro Kopf nur 27,6 Kilogramm des Klimagases CO2 an, bei einem Inlandsflug dagegen 298 Kilogramm. Doch in Deutschland hakt es auf der Schiene oft: zu unpünktlich, zu teuer, zu ungewiss seien die Verbindungen.

Kerosinsteuer, moderne Kommunikationsmittel

Zwar bietet die Bahn bei einer erfolgreichen Schnellstrecke wie der 2017 eröffneten Verbindung Berlin-München den Fliegern Paroli: Auf dieser Strecke ist der Flugverkehr um fast die Hälfte zurückgegangen. Doch grundlegende Veränderungen sind nötig – europaweit. Immer mehr Politiker und Verbände fordern eine Kerosinsteuer für die – bisher von der Mineralölsteuer befreite – gewerbliche Luftfahrt. Denn bis dato genießt sie ein Steuerprivileg und einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Verkehrsträgern. Die Einnahmen aus der Kerosinsteuer könnten in Aufforstungs- oder Umweltprojekte oder die Erforschung alternativer Kraftstoffe gehen. Der einzelne Reisende dagegen kann sich im Zug während der Fahrt weiterbilden – beruflich und privat. Außerdem hat Corona gezeigt: Dank moderner Übertragungstechnik für Meetings können etliche Business-Flüge eingespart werden. Und wer Langstreckenflüge nicht vermeiden kann, sollte auf Zubringerflüge verzichten – und auf Bahn oder Bus umsteigen.

Quellen:
Tipps zum klimafreundlichen Reisen
VCD: Flugverkehr
VCD: Kerosinsteuer

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