Elektromobilität

Ladesäulen braucht das Land

Von Katharina Lehmann · 2018

Den Elektroautos gehört die Straße der Zukunft – so hätte es zumindest die Bundesregierung gerne. Denn die Verkehrswende kann nur mit dem Umstieg auf emissionsfreie Antriebe gelingen. Der Absatz strombetriebener Fahrzeuge stockt allerdings – vor allem, weil es an der Ladeinfrastruktur hapert.

Elektromobilität: Ausschnitt eines Elektrofahrzeugs an Ladestation
Elektrofahrzeug an Ladestation

Sie sind leise, abgasfrei und werden unsere Verkehrswelt komplett verändern – bis zu acht Millionen Elektroautos könnten im Jahr 2030 über unsere Straßen rollen, prognostiziert Horst Wildemann, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der TU München. Im Auftrag von ABB, einem Anbieter von Ladelösungen für Elektrofahrzeuge, hat er die Studie „Ladeinfrastruktur als Enabler der Elektromobilität“ erstellt. Zum Vergleich: Heute sind in Deutschland etwa 130.000 reine Stromer und Hybridfahrzeuge zugelassen. 

Enormer Ausbau erforderlich

Damit diese acht Millionen E-Fahrzeuge jedoch auch wirklich rollen, braucht es mindestens 4,7 Millionen Ladesäulen. Der Erfolg der Elektromobilität hängt maßgeblich vom effektiven Ausbau der Infrastruktur ab. Denn Autofahrer möchten sicher sein, dass sie überall – von der Autobahnraststätte über das Einkaufszentrum bis zur öffentlichen Garage – ausreichend Lademöglichkeiten vorfinden. 2,2 Millionen dieser Stationen, darunter mindestens 200.000 Schnell-Ladesäulen, könnten an öffentlich zugänglichen Stellen wie Autobahnraststätten, Einkaufszentren oder Parkplätzen installiert sein. Zusätzliche 2,5 Millionen erwartet er an privaten Aufstellorten – sie wären mit der smarten Energie-Infrastruktur von Eigenheimen, Wohnanlagen, aber auch Unternehmen verknüpft. 

Verglichen mit den heute verfügbaren 4.730 öffentlichen Stationen mit insgesamt 10.700 Ladepunkten würde das eine enorme Steigerung bedeuten. Der Studie zufolge werden bis 2030 Investitionen in Höhe von bis zu elf Milliarden Euro nötig sein, um die bestehenden Stromnetze auf die künftigen Anforderungen dieser Ladeinfrastruktur vorzubereiten.

Mehr Komfort durch Induktion

„Die Ladesäule ist nur eine Übergangslösung“, glaubt dagegen Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. „Dauerhaft brauchen wir komfortablere Möglichkeiten, den Akku wieder aufzuladen“, so Bratzel. Induktionsspulen, integriert in den Boden von Garagen und Parkplätzen oder gar in den Straßenbelag von Bundesstraßen und Autobahnen, versorgen den Akku bei Kontakt mit Energie – ganz ohne Ladekabel und langes Warten. „Das induktive Laden wird kommen – allerdings erst in etwa zehn Jahren“, glaubt der Autoexperte. Dabei birgt gerade die Induktionstechnologie große Potenziale – auch für die Energiewende. Denn: „Hat sich das Elek­tro-Auto erst einmal durchgesetzt, fahren schließlich Millionen Stromspeicher auf Deutschlands Straßen“, erklärt Bratzel. Mittels der Induktionsspulen könnten die Stromer dauerhaft ans Netz angebunden werden, die acht Millionen Akkus wären in der Lage in Zeiten der Stromüberproduktion Energie zu speichern und bei Flaute wieder abzugeben. Zudem sei die Induktionstechnologie in der Lage, das Reichweitenproblem zu lösen – stundenlange Ladevorgänge wären damit nämlich nicht nötig.

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