Mobilitätswandel

In Bewegung

Von Karl-Heinz Möller · 2021

Mobilität im Kopf ist eine Voraussetzung, die Weichenstellung für neue Konzepte im Verkehr vor- und anzunehmen. Nicht nur Wissenschaftler und Politiker sind gefragt, sondern jeder Einzelne muss sich in seinem Umfeld orientieren und bereit sein, den Wandel aktiv mitzugestalten. Sicher ist: Das Auto verliert als Mittel der Fortbewegung seinen gehobenen Status.

Eine Autofahrerin sitzt entspannt im Auto, da es selbständig fährt.
Autonomes Fahren könnte die Zahl der Unfälle senken. Foto: iStock / metamorworks

Um den urbanen Raum und an den Knotenpunkten ballen sich die wichtigsten Fragestellungen: Die Folgen des Klimawandels warten auf intelligente Lösungen, und es fehlen Antworten auf die Fragen nach einer sozialen Balance oder einem neuen Verständnis von Arbeit und Mobilität. In der Summe entstehen Lösungen, die im Vergleich zum Status quo mehr als die notwendige Schonung von Ressourcen erfüllen sollten. Die Coronakrise löste bereits eine tiefgreifende und langfristige Wirkung auf die mobile Gesellschaft aus, sowohl in urbanen Räumen mit hoher Dichte als auch auf dem Land. Ein tödliches Virus trifft durch Maßnahmen wie Schließungen von Geschäften und Institutionen, Kontaktsperren, Homeoffice und fehlende Güterversorgung den Nerv der Metropolen und zeigt die Krisenanfälligkeit des konglomerierten Lebens. Ödnis in der City und Engpässe in der Fläche bringen viele aktuell diskutierte Mobilitätskonzepte ins Wanken. 

Mobilitätswandel: Digitalisierung macht Stadt und Land zukunftsfähig

Der Mobilität als Kernproblem rücken einige Monopolregionen mit einer „Weniger-Straßen-Diät“ zu Leibe. Eine „Road Diet“ markiert die Abkehr vom Leitbild der automobilen Stadt und die Einkehr von Lebensqualität zum Wohle der Bewohner: Planer wandeln autozentrierte Straßen und Parkplätze in öffentliche Räume der Mobilität um, der Straßen- und Parkraum für Autos wird reduziert, Radwege und Bürgersteige werden ausgebaut. Das Umland wird engmaschig vernetzt und eingebunden. Mobilitätsdienstleistungen für Nah- und Fernverkehr profitieren von den technischen Innovationen, die ohne menschliche Piloten auskommen. Integrierte private und öffentliche Angebote sind eine Lösung für effiziente Mobilität. Autonome Dienste im öffentlichen Angebot machen klassische Grenzen zwischen Anbietern obsolet, entlasten das Verkehrssystem und ermöglichen eine nahtlose Nutzung. Entlang einer Mobilitätskette zu agieren, bedeutet nicht Konkurrenz, sondern komplementäres Angebot im Sinne von “Seamless Mobility“. Sie ist die Vision einer systemisch vernetzten Mobilität. Hier entfaltet das Potenzial der Digitalisierung seine ganze Kraft, um maßgeschneiderte Informationen bereitzustellen und komplexe Systeme verständlich zu transformieren.

Vom Fahrer zum Passagier

Beim autonomen Fahren führt ein softwaregesteuertes System den Prozess des von Batterien gespeisten Vortriebs. Juristische Voraussetzung dafür ist ein im Juni in Kraft getretenes Gesetz zum automatisierten Fahren. Es gibt keinen Fahrer mehr, sondern nur noch Passagiere. Selbst komplexe Situationen kann das autonome Vehikel bewältigen. Per Mobilfunk oder WLAN kann sich das automatisierte Auto mit anderen Fahrzeugen und Datenquellen austauschen (C2X-Kommunikation). So sind frühzeitige Warnungen vor überraschend auftretenden Hindernissen möglich. Die Software an Bord wertet schließlich alle Daten aus und passt die autonome Fahrweise entsprechend an. So kann das Auto selbstständig bremsen, beschleunigen oder lenken. Die Software kennt und berücksichtigt außerdem die Verkehrsregeln. Autonomes Fahren könnte die produktive Einsatzzeit bei Lkw um fast die Hälfte erhöhen. Längere Einsatzzeiten, weniger Unfälle, niedrigere Personalkosten, geringere Treibstoffkosten plus autonom operierende Lkw an den Be- und Entladestationen sind starke Argumente. Beim System des Platooning („elektronische Deichsel“) verschmelzen mehrere Lkw, die auf der gleichen Strecke unterwegs sind, über Car-to-Car-Kommunikation zu einer Einheit. Der Fahrer des ersten Lkw gibt Tempo und Richtung vor, alle anderen folgen ihm automatisiert, lenken und bremsen selbsttätig im Takt des Führungstrucks. Abstände zwischen 15 und 21 Metern sind in diesem Zug möglich, ein unter normalen Umständen nicht realistischer Wert. Ständig werden dabei Daten wie Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bremsverzögerung
und die GPS-Position über den Zustand des Platoons kommuniziert. So können die hinteren Fahrzeuge ohne Zeitverzögerung reagieren und fahren auch bei einer Notbremsung des ersten Lkw nicht aufeinander auf.

Automobile werden zu Datenbanken. Bewegungskonzepte zu Ende zu denken, bedeutet oft auch den situativen  Verzicht auf das Fahren und das eigene Auto. Erleben ist wichtiger als besitzen. Projiziert auf eine Metaebene lassen immer mehr Menschen die Einschränkungen von Eigentum hinter sich. Der flexible Zugriff auf die ganze Vielfalt an Mobilität wird so zum Spaß an Alternativen; Vielfalt statt Routine steht über Status. Mobil zu sein, bedeutet dann Kreativität, Vernetzung und Kommunikation. Das Auto ist nur noch Kumpan, ein Lustobjekt in diesem Spektrum.

Quellen:
Frank Muth: Automatisiertes Fahren im ÖPNV
www.zukunftsinstitut.de

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