Logistik der Zukunft

Mehr liefern

Von Jens Bartels · 2020

Der Lieferverkehr gehört zu den größten Belastungen für Innenstädte. Dabei gibt es immer mehr innovative Logistik-Lösungen, um die urbanen Räume zu entlasten und in eine umweltverträgliche Richtung zu lenken. Zugleich rückt immer mehr die digitale Vernetzung aller Beteiligten und Prozesse in den Vordergrund. Fest steht außerdem: Micro-Hubs werden massiv an Bedeutung gewinnen.

Eine Drohne liefert ein Paket ab.
In der Zukunft liefern Drohnen die Pakete. Foto: iStock / happyphoton

Der elektrisch angetriebene Transporter der Zukunft erfüllt fast jeden Wunsch. So vernetzt er digital alle Beteiligten und Prozesse, angefangen vom Warenverteilzentrum bis hin zum Empfänger. Zu Beginn beladen Roboter den Lieferwagen. Hochautomatisierte Laderegale helfen anschließend, den Raum des Fahrzeugs optimal zu nutzen. Außerdem besitzt der futuristische Lieferwagen integrierte Drohnen. Wird das Fahrzeug beispielsweise vom Paketzusteller in einem Wohngebiet geparkt, können so neben der manuellen Zustellung künftig mehrere Pakete gleichzeitig autonom über die Luft an ihre Empfänger im Umfeld ausgeliefert werden.

Künstliche Intelligenz nutzen

Noch befinden sich viele Ideen im Stadium der Forschung und Entwicklung. Allerdings zeigen bereits erste Praxistests im Bereich autonomer Logistiksysteme den künftigen Nutzen der intelligenten Helfer. Drohnen, Zustellroboter und andere autonome Liefertechnologien werden den innerstädtischen Waren- und Lieferverkehr effizienter gestalten und das Klima schonen. 

Von grundlegenden Veränderungen im Warentransport gehen laut einer repräsentativen Befragung von mehr als 500 Unternehmen im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom auch die große Mehrheit der Logistiker aus. Demnach erwarten sieben von zehn Befragten (71 Prozent), dass Künstliche Intelligenz bis zum Jahr 2030 viele Aufgaben übernehmen wird, so zum Beispiel die Planung von Routen. Sechs von zehn Unternehmen (59 Prozent) sind überzeugt, dass Waren mit autonomen Lieferwagen zwischen Unternehmen transportiert werden und vier von zehn Befragten (42 Prozent) gehen davon aus, dass die Waren mit autonomen Drohnen bis zum Endkunden transportiert werden. Darüber hinaus sind mehr als zwei Drittel der Logistiker (69 Prozent) der Überzeugung, dass digitale Technologien einen umweltschonenden Transport ermöglichen.

Logistik der Zukunft: Branche sieht keine Disruption

Berichten zufolge sorgt die Digitalisierung für zahlreiche Innovationen im Bereich Logistik. Anderer Meinung sind jedoch die Logistikweisen, ein Zusammenschluss ausgewählter Experten der Branche. Ziel dieser Initiative ist es, die Entwicklung der Logistik zu prognostizieren, um den Wirtschaftsbereich Logistik mit Prognosen anderer Branchen und Wirtschaftsbereiche vergleichen zu können und die zukünftige Entwicklung des Logistikstandorts zu erarbeiten. Den Logistikweisen zufolge sorgt Digitalisierung noch lange nicht für eine Disruption. Vielmehr greifen laut der Experten stellenweise die Investitionen in die Digitalisierung und heben Effizienzpotenziale. Weitaus effektiver seien Investitionen in Automatisierungslösungen, da sie seit langem und auch weiterhin zuverlässig Produktivitätssteigerungen bringen. Entsprechend wird keine Disruption durch Digitalisierung erwartet, die einen merklichen Effekt auf die Entwicklung des Wirtschaftsbereichs Logistik im Jahr 2020 haben wird. Aufgrund der negativen Entwicklungen, die sich in diesem Jahr insbesondere durch die Corona-Pandemie abzeichnen, rechnen die Logistikweisen bei ihrer Prognose zur Entwicklung des Logistikstandorts Deutschlands für den Wirtschaftsbereich in diesem Jahr mit einem Rückgang von real sechs Prozent. Das Niveau des Jahres 2019 wird der Wirtschaftsbereich Logistik tendenziell erst 2023 wieder erreichen.

Grafik: Welche digitalen Technologien setzt Ihr Unternehmen in der Logistik ein?

Micro-Hubs errichten

Damit sich das Wachstum der Branche in den kommenden Jahren nicht auf das Klima auswirkt, sollten besonders in Innenstädten umweltfreundliche Fahrzeuge wie elektrisch betriebene Lastenfahrräder, Elektro-Kleinmobile oder Sackkarren zum Einsatz kommen. Dafür ist es notwendig, kleine Verteilzentren einzurichten. Zum Beispiel lassen sich freie Stellflächen im Parkhaus leicht in sogenannte Mikrologistik-Hubs umwandeln. Neben einem engen Netz an Umschlagdepots gehören auch anbieterneutrale Packstationen an dezentralen Standorten zu einem zukunftsfähigen Gesamtkonzept des innerstädtischen Waren- und Lieferverkehrs. Zu einer Entlastung der Verkehrssituation in Städten tragen auch andere digitale Logistik-Lösungen bei. Ein gutes Beispiel liefert die kostenlose Ladezonen-App der ansässigen Wirtschaftskammer in der österreichischen Hauptstadt Wien. Rund 2600 Ladezonen stehen Unternehmen innerhalb Wiens für ihre Liefer- und Ladetätigkeit zur Verfügung. Die Ladezonen-App zeigt den Gewerbetreibenden nach Eingabe ihrer Lieferadresse die nächstgelegene Ladezone mittels einer interaktiven Karte an, inklusive Details zu Zeiten, Länge und Gültigkeit dieser Areale. Filterfunktionen vereinfachen die rasche Auswahl der gewünschten Ladezone. Zugleich informiert die App über freie Parkplätze, optimale Routen oder Baustellen. Die willkommene Folge ist eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes durch den Wirtschaftsverkehr und eine Vermeidung von Umweg- und Suchfahrten.

Hamburg wird Mobilitätszentrum

In Deutschland entwickelt sich Hamburg bei den Themen Mobilität und Digitalisierung zu einem der Hot-Spots des neuen Jahrzehnts. Dort wird bundesweit erstmals untersucht, wie die Digitalisierung die Mobilität in den kommenden Jahren im städtischen und ländlichen Raum beeinflusst. Dabei wird die Hansestadt bis Ende 2021 zum Reallabor Digitale Mobilität und erprobt in zehn Teilprojekten innovative Mobilitätsangebote von Mobilitätsplattformen und autonomem Fahren bis zur Nutzung von Mikrodepots zur Reduzierung von Logistikverkehren. „Die Digitalisierung ist einer der Schlüssel, damit der Verkehrssektor seinen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz leisten kann“, sagt Rüdiger Kruse. „Neue Formen der Fortbewegung müssen aber auch praxistauglich und an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger ausgerichtet sein“, so der Hauptberichterstatter für Verkehr und digitale Infrastruktur im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages.

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