Prozessoptimierung in der Automobilindustrie

Das Bessere als Feind des Guten

Von Hartmut Schumacher · 2021

Industrieroboter
Hand in Hand mit der Maschine, um effizient und sparsam zu arbeiten. Foto: iStock / RicAguiar

Verbesserte Produktionsabläufe in der Automobilindustrie sind hauptsächlich durch erhöhte Digitalisierung möglich. Derartige Optimierungen sorgen für Kosteneinsparungen und für eine nachhaltigere Produktion – kosten aber auch Arbeitsplätze.

Wer aufhört, sich zu verbessern, der hört auf, gut zu sein. Unternehmen kann es helfen, sich diese
Erkenntnis des berühmten englischen Staatsmanns Oliver Cromwell zu beherzigen. Denn sich ändernde Bedingungen und ambitionierte Konkurrenten sorgen dafür, dass Stillstand tatsächlich Rückschritt bedeutet. Das Werkzeug der Prozessoptimierung soll dem entgegenwirken. Gemeint ist damit die systematische Verbesserung von Arbeitsabläufen. Die beiden grundsätzlichen Ziele dabei: das Verringern von Kosten und das Einsparen von Zeit. Bei der Automobilindustrie geht es konkreter also darum, weniger Energie und Rohstoffe zu verbrauchen, weniger Abfall entstehen zu lassen und die Produktionsabläufe zu beschleunigen. Quasi automatisch führt dies meist auch zu einer höheren Umweltfreundlichkeit.

Prozessoptimierung in der Automobilindustrie: vom Fließband zur Vernetzung

Die Einführung der Fließbandfertigung im Jahr 1913 und der Einsatz von Industrierobotern seit den Sechzigerjahren gelten als die umwälzendsten Prozessoptimierungen der Vergangenheit. Nun steht die vierte Stufe an: Die Digitalisierung im Allgemeinen und die Einführung von Industrie-4.0-Methoden – also
das Verwenden von smarten Fabriken, in denen Maschinen und Werkstücke intelligent miteinander vernetzt sind – werden die Prozesse der Autobauer noch einmal kräftig durchrütteln. Und damit werden neue Technologien auch zu ordentlichen Optimierungen und Produktivitätssteigerungen in der Automobilindustrie führen. So prognostiziert die Unternehmensberatung Capgemini Research Institute für die Jahre 2019 bis 2023 einen digitalisierungsbedingten Gesamtproduktivitätszuwachs von bis zu 24,1 Prozent. Mercedes-Benz beispielsweise erwartet in der smarten Fabrik „Factory 56“, die im vergangenen Jahr in Sindelfingen eröffnet wurde, eine Effizienzsteigerung von 25 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Produktionsstätten. Daneben erweisen sich aber auch die vergleichsweise kleinen, aber zahlreichen Prozessverbesserungsmöglichkeiten als bedeutsam. Denn sie helfen dabei, die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Dazu gehören der schnellere Modellwechsel, die größere Modellvielfalt, auch bedingt durch den Umstieg auf Elektroantrieb, und nicht zuletzt das gestiegene Umweltbewusstsein in der Gesellschaft.

Grafik: Was sind die größten Hemmnisse für den Industrie-4.0-Einsatz in Ihrem Unternehmen?

Folgen für Arbeitnehmende

Historisch gesehen, bedeuteten Prozessoptimierungen in der Automobilindustrie für Arbeitnehmende einerseits den Verlust von Arbeitsplätzen, andererseits aber auch verbesserte Arbeitsbedingungen, die körperlich weniger
belastend sind.

Die gegenwärtige Digitalisierung in dieser Branche wird nach einer Analyse der Unternehmensberatung Oliver Wyman dazu führen, dass die Autohersteller im Jahr 2028 etwa 30 Prozent weniger Mitarbeiter benötigen als noch zehn Jahre zuvor. Etwa ein Viertel der Mitarbeiter wird sich zudem in den nächsten Jahren weiterbilden müssen, um die neuen digitalen Werkzeuge einsetzen zu können.

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